Spurwechsel

Unter den Kindern des 21. Jahrhunderts – und damit meine ich nicht wörtlich Minderjährige, sondern uns, die „Generation Facebook“ – macht sich eine anfangs schleichende, doch der Gegenwart immer furchtbarer werdende charakterliche Eigenschaft bemerkbar, genannt das: „Achichweißnichtwillmichnichtentscheidenweilentscheidungensindjawasentgültiges undichhaltemirambestenalletürenoffendenneskönntejawasbessereskommen“ – Syndrom. Vor allem im Zwischenmenschlichen begegnet man diesem immer häufiger. Zum Beispiel hat mittlerweile fast jeder – ja, wirklich fast jeder – entweder eine so furchtbare Beziehung hinter sich, oder ist sich auf der Suche nach einem geeigneten Partner gar nicht schlüssig darüber, was er eigentlich will. Das alles endet dann meisten genau so schnell wie es begonnen hat, denn derjenige welcher eine Entscheidung herbeisehnt, ist für den anderen gleich wieder zu aufdringlich. Zu schnell. Fährt ein nicht angemessenes Tempo und vom Schicksal geblitzt. Beim Kacken. In den Arsch. Und so ist es ein endloses Spiel aus Enttäuschung, die man irgendwann wieder überwindet, Mut, den man irgendwann fasst, um sich wieder auf jemanden einzulassen, Höhenflug, wenn die ersten Tage einfach wundervoll sind und wieder Enttäuschung, wenn einer von beiden wieder mal nicht das angemessene Tempo fährt. Und wo führt das hin? In ein Leben voller Einbahnstraßen. Irgendwann wacht man auf, liegt in einem Bett im Altenheim und ist alleine. Man hat sich vielleicht sein ganzes Leben lang gefeiert, war unantastbar, hat jede Party und jede Möglichkeit auf Sex mitgenommen – aber am Ende ist man alleine. Am Ende liegt man in seiner Wohnung und stirbt an einer Grippe, weil einfach niemand da ist, der einem einen Tee gegen die bedrohliche, immer stärker werdende Dehydrierung bringen kann, und man selbst zu schwach ist, um sich in die Küche zu bewegen und dem Sensen Johnny nochmal den Mittelfinger ins Gesicht zu strecken. Früher war eben doch alles besser.

7_willst_Du_1

 

WILLST DU MIT MIR GEHEN? JA? NEIN? VIELLEICHT? (PS: bitte nicht vielleicht) ANKREUZEN!

Mit fettem Edding an die Hauswand geschmiert. Am nächsten Tag hatte man dann diese nicht gerade Daten schützende Old School Email gecheckt, und es war ganz bestimmt eine Entscheidung, die da an der alten Fassade des Hauses im Ghetto stand. Es wird Zeit für einen Spurwechsel. Denn eine Einbahnstraße hat eben irgendwann ein Ende. Was mir nicht so alles einfällt auf der Toilette….

By Dawid Dubowski 07/2013

Please follow and like us:

Comments